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Foto: Serge Tonnar


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© Collection CNL

Serge Tonnar

Luxemburg

Serge Tonnar studierte nach dem Abitur am Lycée de garçons in Luxemburg zwei Jahre Journalismus an der Universität in Brüssel. 1993 kehrte er nach Luxemburg zurück, wo er zunächst als freier, ab 1995 als fester Mitarbeiter beim soziokulturellen Radio 100,7 arbeitete. Er war zudem als Kulturjournalist für Tageblatt, Grénge Spoun und d'Lëtzebuerger Land tätig. Seit 1997 arbeitet er als Freiberufler in der Musik-, Film- und Theaterszene.

Er ist Schauspieler und Liedermacher und spielt zusammen mit den Musikgruppen Blue Screw, Battaklang, Taboola rasa, Zap Zoo, Legotrip und zusammen mit Claudine Muno bei den Luna boots. Vor allem aber ist er Musikproduzent und Komponist. Er veröffentlichte die CDs In Case of Reality (2001), dressed to be killed (2003), Legotrip (2003), Klasseklon (2011), De Bopebistro Tour (2012), Hämmelsmarsch (2013) und Vill Harmonie (2015). In seinen Liedern setzt sich Serge Tonnar mit dem literarischen und musikalischen Erbe Luxemburgs auseinander, erinnert einerseits an traditionelle Volkslieder (Et ass Kiermes am Duerf, Hämmelsmarsch, De Feierwon von Michel Lentz), liest sie andererseits gegen den Strich und hinterfragt sie auf die ideologischen Bedingungen ihrer Entstehung hin. Er zeichnet in sozial-, medien- und politikkritischen Texten ein Bild einer sich verändernden Gesellschaft. Insbesondere Entwürfe einer nationalen Identität werden hinterfragt. Dabei prangert er Fremdenfeindlichkeit, Homophobie, Hass und Intoleranz sowie Wohlstand auf Kosten anderer an und plädiert für ein offenes Gesellschaftsmodell des Miteinanders der Nationen und Religionen. Entsprechend setzt er sich 2016 im Lied Mir wëllen iech ons Heemecht weisen, das eine kritische Auseinandersetzung mit Michel Lentz beinhaltet, für ein verändertes Asylgesetz und die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien sowie dem Nahen und Mittleren Ost ein. Serge Tonnar verbindet oftmals musikalische mit sozialen Projekten, sei es dass der Erlös von Konzerten an Hilfsorganisationen geht, sei es, dass er eigene Musikprojekte, teilweise mit Betroffenen, durchführt, wie etwa das Lied Bonjour an Awuer mit Demenz- und Alzheimerkranken.

Serge Tonnar hat die Musik zu zahlreichen Theaterstücken, darunter Schold & Schäin (2009)  von Claude Mangen, sowie die Filmmusik zu mehr als zehn luxemburgischen Filmproduktionen geschrieben und arbeitet eng mit dem Filmemacher Andy Bausch zusammen z. B. Le club des chômeurs (2001) und La revanche (2004). Darüberhinaus komponierte er den Titelsong für die erste luxemburgische Sitcom Weemseesdet.

Serge Tonnar, der als Schüler bei den Pfadfindern und als Student in Brüssel Kabaretttexte verfasste, gründet 1995 zusammen mit Claude Mangen die unabhängige Kulturvereinigung und Produktionsgesellschaft MASKéNADA und schreibt Theaterstücke. Er war von 2008 bis 2012 Präsident der Theater Federatioun, des Luxemburger Verbandes der professionellen Theater und Nachfolger von Jemp Schuster. Serge Tonnar schrieb die Theaterstücke Talkshow (2004) und Superstar (2007) für das Theaterfestival in Steinfort. In seinen Dramen setzt er sich mit dem Verhältnis medial generierter Wirklichkeiten, individuellen und sozialen Authentizitätsbekundungen sowie mit dem Alltags- und virtuellen Traumleben auseinander. In den luxemburgischsprachigen Stücken Eat It (2001), All Daach esou géint 5 fir 12 (2003), Schlof Këndche, schlof und Talkshow (2004), sowie Exit Lëtzebuerg (2006) oder Superstar (2007) persifliert und prangert er die zur Schau gestellten Emotionen und das durch die Medien entblößte Privatleben an. Ihnen liegt die Poetik des kritischen Volksstückes von Jean-Paul Maes zugrunde.  2015 wurde anlässlich des 20jährigen Bestehens des Künstlerkollektivs MASKéNADA die von Serge Tonnar verfasste Musikshow im Stile der 1980er Jahre Frittparade 2000. Dem Frittekätt seng ketchuprout Revanche, zugleich Komödie mit Musik- und Slapstickeinlagen und zitatenreiche Parodie auf das Genre des Filmkrimis, an mehreren Orten in Luxemburg aufgeführt.

2019 erschienen erstmals Übersetzungen von Serge Tonnar. Der Autor versteht die Übertragungen der Spruchkapitel des Daodejing von Laotse, die unter dem Titel Tao Te King erschienen, als freie Nachdichtung auf der Grundlage deutscher, französischer und englischer Übersetzungen. Tonnar begreift die chinesische Dichtung nicht als religiöses Dokument, sondern als spirituellen Text, der zugleich ein Pamphlet gegen Egoismus und ein Plädoyer für Toleranz und Respekt sein soll. Jean-Marie Biwer, dessen Werk vom Daodejing inspiriert ist, hat Aquarelle beigesteuert. Im selben Jahr veröffentlichte Cyril Welch eine Übersetzung des Daodejing ins Englische. 2019 erschien zudem Tonnars Album Aner Lidder, mit Übertragungen bekannter Chansons und Lieder von Léo Ferré, Francis Cabrel, Jacques Brel, Bettina Wegner, Udo Lindenberg, Antony and the Johnsons, Bob Dylan, John Lennon, Nick Cave und Violetta Parra.

Dieser Artikel wurde verfasst von Claude D. Conter

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
    Verwendete Namen
    Serge Tonnar
  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    Serge Tonnar
  • Titel der Zeitschriften
    woxx / Grénge Spoun. déi aner Wochenzeitung = l’autre hebdomadaire
    Verwendete Namen
    Serge Tonnar

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • MASKéNADA

Archiv

Zitiernachweis:
Conter, Claude D.: Serge Tonnar. Unter: , aktualisiert am 14.05.2021, zuletzt eingesehen am .