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Foto: Steven Weinberg


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Steven Weinberg

Laren ()

Pseudonyme: Étienne Vignoble

Nach dem Besuch der Montessori-Grundschule in Laren und Sekundarstudien in Hilversum, Monaco und Dijon studierte Steven Weinberg an den Universitäten in Dijon und Amsterdam Meeresbiologie. Er schloss sein Studium 1979 mit der Promotion ab. Von 1979-1980 war er Assistant Professor am Department of Marine Science der Universität von Puerto Rico, wo er auf dem Gebiet der Ökologie der Korallenriffe forschte. Von 1982 bis 2010 unterrichtete er Biologie an der Europaschule in Luxemburg.

Steven Weinberg trat, neben seinen fachwissenschaftlichen Publikationen, bisher in vier Bereichen mit Veröffentlichungen hervor. Als Meeresbiologe und Unterwasserfotograf veröffentlichte er insgesamt um die 400 Artikel über die Unterwasserwelt in französischen, niederländischen, deutschen, italienischen und britischen Zeitschriften. Er war zwischen 1979 und 1982 Chefredakteur niederländischer Tauchzeitschriften und zeichnet in der Zeitschrift Plongeurs International seit 1997 die feste Rubrik Écolo mio. Er verfasste Bücher zu ozeanografischen Themen, u.a. Tauchführer über die Weltmeere, die größtenteils in den Éditions Nathan erschienen. Unter dem Titel Eau de vie veröffentlichte Weinberg 2009 und (in einer erweiteren Neuausgabe) 2017 in seinem Eigenverlag Topus seine sich über mehrere Jahrzehnte erstreckenden Memoiren als Taucher. Eine gekürzte Version erschien 2011 unter dem Titel Passion plongée in einem französischen Verlag. Viele der Bücher wurden auf Deutsch und Niederländisch übersetzt.

Ein zweiter Interessenschwerpunkt von Steven Weinberg ist das Reisen. Zwischen 2004 und 2007 reiste er auf dem Nullmeridian von den Shetland-Inseln bis nach Ghana, woraus der Fotografieband Greenwich. Parallels on the Meridian (Brüssel 2007) hervorging. Mit einem restaurierten, "La Petite" genannten Renault 4 CV fuhr er durch Frankreich und von Paris nach Peking. Darauf gehen die Fotoreportagen La Nationale 7 en 4 CV (2005), En 4 CV dans les Alpes (2006), Paris-Gobi – 16 000 km en 4 CV (2010) und Un tour de France en 4CV (2016) zurück. Eine 2010-11 unternommene Weltreise mit dem Auto verarbeitete Steven Weinberg in der Artikelreihe Autour du Monde avec "La Petite" in der Wochenzeitung Le Jeudi und dem Buch Autour du monde. 33 500 kilomètres avec "La Petite".Unter den Titeln Autour du monde en 4CV. 33 500 km avec "La Petite" (2011) bzw. Around the world with a 4CV. 33 500 km with the "Little One" (2011) veröffentlichte Steven Weinberg ebenfalls einen großformatigen Fotoband über diese Reise.

Ein dritter Schwerpunkt von Steven Weinbergs Schreiben steht im Zusammenhang mit der Geschichte seiner Familie. Deux voyageurs pour Breslau, das einzige zuerst auf Niederländisch geschriebene Buch, geht auf die Geschichte seines 1910 in einer jüdischen Familie in Breslau geborenen Vaters Edgar Weinberg zurück. Dieser wurde 1944 aus den Niederlanden nach Auschwitz deportiert, schloss sich nach seiner Befreiung der Roten Armee an und gelangte zurück in die Niederlande. Anhand der genauen Angaben in dessen 1991 gedruckten Memoiren begab sich Steven Weinberg auf den Spuren seines Vaters nach Polen. Im Buch alternieren Auszüge aus den Memoiren des Vaters mit Reisenotizen des Sohnes. In seinem Lebensbericht erwähnt Edgar Weinberg mehrmals den Luxemburger Alfred Oppenheimer, mit dem er in Auschwitz Freundschaft geschlossen hatte. Das Buch erschien 2014 auch auf Englisch und 2016 auf Deutsch. Unter dem Titel Photo! (2017) legte Steven Weinberg einen Querschnitt durch sein fotografisches Werk und dasjenige seines Vaters, der ihn in die Fotografie einführte, vor. Der Band dokumentiert anhand der beiden Fotografen ein Jahrhundert der Fotografie und stellt durch seine Anordnung einen motivischen Dialog zwischen Vater und Sohn her. In Odessa. 1945-2019 (2020) rekonstruiert Weinberg das Leben seines Vaters und ihm nahestehender Personen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg anhand von dessen Zeugnissen und von im Verlauf eigener Recherchen und Reisen an die historischen Orte aufgefundener Spuren und Dokumente. Das Buch erschien zweisprachig Französisch und Englisch. In Chambre noire (2021) porträtiert er, ausgehend von in seiner ehemaligen Dunkelkammer wiedergefundenen Aufnahmen, seine Vorfahren, deren Bekannte und Personen, die seine eigene Biografie geprägt haben, während der Folgeband Les Mains de mon père (2021) auf der Grundlage von Aufnahmen der Hände seines Vaters dessen Lebensgeschichte erzählt.

Seit 2009 veröffentlicht Steven Weinberg auch fiktionale Literatur, in der auf unterschiedlichen Ebenen und in unterschiedlichen Gewichtungen das Thema der Shoah ebenfalls aufgegriffen wird. In der Novelle Lecture interdite (2009) enthält der Protagonist aus dem Nachlass einer Tante das Tagebuch von deren jüngerer Schwester, die sich in jungen Jahren in Breslau das Leben genommen hatte. Durch die Lektüre des Tagebuchs und eines beigefügten Briefwechsels eröffnen sich dem Protagonisten bisher unbekannte Familiengeheimnisse. Text und Paratext suggerieren Anknüpfungspunkte zur Familiengeschichte des Autors. Die in Haiti angesiedelte Erzählung Le Disparu de Jérémie (2015) geht entstehungsgeschichtlich auf den Forschungsaufenthalt des Autors in der Karibik zurück. Ausgehend vom Verschwinden eines jungen holländischen Tauchers und Biologen bei einem Tauchgang vor der Küste Haitis, werden mehrere Geschichten gegeneinander montiert, in denen die Protagonisten ihrer Vergangenheit und ihrem Schicksal begegnen: eine Auschwitzüberlebende trifft auf ihren ehemaligen Peiniger; ein Kanadier strandet auf Haiti anstatt auf Tahiti; ein Europäer nimmt an einer mystisch-erotischen Voodoo-Zeremonie teil; ein Arzt findet seinen seit dem Zweiten Weltkrieg vermissten Zwillingsbruder wieder; die Liebesgeschichte des Tauchers mit einer jungen Bildhauerin wird rückblickend aufgerollt. Die einzelnen Episoden sind verknüpft über die Motive des Zwillings, des Gegeneinanders von Individuation und Verschmelzung sowie des Wassers als eines vielschichtigen Elements. Haiti erscheint als ein durch Geheimnis und Magie sowie die koloniale Vergangenheit geprägter Ort. Folies meutrières (2016) erzählt die Begegnung einer ost- und einer westdeutschen Frau, die sich wenige Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung zum ersten Mal treffen. Aufgrund der Erzählung ihrer jeweiligen, vom Zweiten Weltkrieg geprägten Lebens- und Familiengeschichten im Verlauf einer Nacht stellen sie fest, dass sie über ihren gemeinsamen jüdischen Vater, der die Shoah nicht überlebt hat, Halbschwestern sind. Unter dem Pseudonym Étienne Vignoble erschien der historische Kriminalroman Le Vengeur. 1942-2006 (2020). Er erzählt die Geschichte einer Reihe von Morden, die allesamt Gewalttaten der Nationalsozialisten nachstellen, ihrer Aufklärung und der Mission, die der Mörder mit diesen Verbrechen verfolgt.

Im Sommer 2014 nahm Steven Weinberg an einer Autorenresidenz im Château du Pont d’Oye im belgischen Habay-la-Neuve teil.

Dieser Artikel wurde verfasst von Pierre Marson

Veröffentlichungen

Übersetzungen

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Archiv

  • CNL AU-065
Zitiernachweis:
Marson, Pierre: Steven Weinberg. Unter: , aktualisiert am 28.11.2022, zuletzt eingesehen am .