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Foto: Félix Thyes


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© Collection CNL

Félix Thyes

Luxemburg Brüssel ()

Félix Thyes war der Sohn eines ehemaligen napoleonischen Soldaten, der später der Gendarmerie beitrat. Er wuchs in einer politischen Umbruchsituation auf. Während sein Vater sich 1839 für die belgische Staatsbürgerschaft entschied, behielt Félix Thyes die luxemburgische bei. Er besuchte das Athenäum und zog mit seinen Eltern nach Lintgen. Infolge von Kinderlähmung und Lungenschwindsucht war er gehbehindert und zeitweilig abhängig von Gehprothesen. Phasen der Bettlägerigkeit wechselten sich mit lichteren Momenten ab, die der Kunst und den sozialen Fragen gewidmet waren. Nach Zwischenstationen in Virton, Arlon und Namur schrieb er sich an der Université libre de Bruxelles (ULB) ein, die von den Freimaurern gegründet worden war und seinen Grundsätzen entsprach. 1852 war er in die luxemburgische Loge Les Enfans de la Concorde fortifiée aufgenommen worden. Auch ließ er den Kontakt zu der liberalen Jugend in Luxemburg nicht abbrechen. An der ULB machte er die Bekanntschaft von Charles de Coster, der 1867 La Légende … d'Ulenspiegel veröffentlichte. Gemeinsam mit de Coster besuchte er die Vorlesungen seines Landsmannes, des liberalen Historikers Jean-Jacques Altmeyer, und verkehrte in der Werkstatt von Henri Samuel, der u. a. Victor Hugos Châtiments sowie die zwei Werke des Luxemburgers druckte. Félix Thyes interessierte sich zudem für Sitten und Gebräuche und stand in Verbindung mit Antoine Meyer und Michel Lentz, der ihm seine Manuskripte anvertraute. Obschon Félix Thyes in seinen Briefen seine Liebe zum Luxemburgischen öfters unterstreicht, ist von ihm keine Zeile in dieser Sprache überliefert. Nach langem Leiden starb Félix Thyes, ohne seinen Roman Marc Bruno abgeschlossen zu haben. Auf Wunsch seiner Halbschwester wurde er in Brüssel mitsamt seinen Manuskripten und einem Teil seiner persönlichen Habe beerdigt. Félix Thyes ist ein entfernter Verwandter von Léon Thyes.

Félix Thyes ist der Spätromantik verpflichtet und gilt als Pionier der Literaturkritik und der luxemburgischen Literatur in französischer Sprache. Er war Mitarbeiter des Courrier du Grand-Duché de Luxembourg. In seinem Essai sur la Poésie luxembourgeoise, einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit an der ULB, die auf Fürsprache seines Lehrers, Professor Van Bemmel, erstmals in der Revue trimestrielle in Brüssel erschien, zog er Bilanz über das kulturelle Leben Luxemburgs und strich die Schönheit des Luxemburgischen und seiner ersten literarischen Zeugnisse hervor, die er ins Französische übertrug. Seinem posthum erschienenen Roman Marc Bruno liegen eigene Erfahrungen zugrunde. Es ist die Geschichte einer durch gesellschaftliche Konventionen und Vorurteile verhinderten Ehe. Daneben ist es ein Bildungsroman, in dem sich die wahren ästhetischen Werte, wie sie der Protagonist verkörpert, und die der Geldbourgeoisie und der Aristokratie gegenüberstehen. Aus Lintgen, wohin er sich zur Rekonvaleszenz zurückzog, sind lange Briefe poetischen oder philosophischen Inhalts an den Freund Charles de Coster überliefert. Einige blieben über Jahrzehnte unveröffentlicht.

Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Wilhelm Frank Wilhelm

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Courrier du Grand-Duché de Luxembourg
    Verwendete Namen
    Félix Thyes
  • Titel der Zeitschriften
    Revue trimestrielle de Bruxelles
    Verwendete Namen
    Félix Thyes

Sekundärliteratur

Zitiernachweis:
Wilhelm, Frank: Félix Thyes. Unter: , aktualisiert am 12.02.2015, zuletzt eingesehen am .