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© Philippe Matsas/CNL

Margret Steckel

Margret Morsh-Steckel
Ehmkendorf ()

Margret Steckel wuchs in der Nähe von Rostock auf einem Gutshof auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie vom SED-Regime enteignet. Margret Steckel verließ die DDR nach dem Abitur 1955. In Westberlin absolvierte sie ein Dolmetscher- und Übersetzerstudium. Sie arbeitete zunächst als Dramaturgin für die Filmproduktionsgesellschaft 20th Century Fox Film Corporation, übersetzte Synchronbücher aus dem Englischen und schrieb selbst ein Drehbuch. 1964 ließ sie sich aus familiären Gründen in Irland, später in England nieder. In dieser Zeit schloss sie ein Fernstudium der deutschen Literatur ab. 1983 zog sie nach Luxemburg.

Margret Steckel, die seit 1962 Erzählungen schreibt, nahm 1989 am Literaturwettbewerb der Frauenzeitschrift Bild der Frau und der Lambda Edition in Hamburg teil und schrieb, angeregt von der Barschel-Affäre, die Erzählung Aus-Weg-Los über den Selbstmord eines Politikers. 1993 folgte ihr erster Roman, Nie wieder nirgendwo, in dem, ausgelöst durch das Wiedersehen der Ich-Erzählerin mit den Orten ihrer Kindheit, die Erinnerung an eine Jugendliebe in der DDR beschrieben wird.

Margret Steckel beschäftigt sich in ihren Romanen, Novellen und Erzählungen immer wieder mit der deutschen Geschichte. So führt Der Letzte vom Bayrischen Platz (1996) in das nationalsozialistische Berlin der 30er Jahre und in Die Träne aus der Wand  (2000) werden in einer erzählerischen Doppelbewegung die in den 30er Jahren angesiedelte mecklenburgische Kindheit der Hauptfigur und ihr Wiedersehen mit dem längst verloren geglaubten Elternhaus nach der Wende geschildert. Ihre Kindheit im Mecklenburg der 30er und 40er Jahre schildert Margret Steckel auch in der Novelle Jette, Jakob und die andern (2017), einer Geschichte, bei der das fröhlich Unbeschwerte der glücklichen Kindheit vor dem leisen Entsetzen der geschichtlichen Katastrophe bewegende Konturen erhält. Aus diesen oft autobiografisch geprägten Werken sticht Steckels akribische Analyse des Erinnerungsprozesses hervor, ein Thema, das auch den im Jahr 2010 publizierten Roman Servais durchzieht. Servais ist zugleich historischer Roman und Familienroman und erzählt, am Beispiel der Familie Servais, über fünf Generationen, auch zu Emmanuel Servais, Félix Servais und Franz Servais, den politischen und wirtschaftlichen Aufschwung Luxemburgs und die persönlichen Krisenerfahrungen Einzelner.

Margret Steckel entlarvt in ihren Texten, zunehmend seit 2000, den Schein von angeblich funktionierenden individualen und gesellschaftlichen Beziehungen und schildert die Hilflosigkeit des Menschen im Konflikt zwischen Willensfreiheit und der Konfrontation mit dem Realen. Sie diagnostiziert Formen der Machtausübung in Beziehungen mittels der Darstellung privater Tragödien, zerbrechender Ehen sowie Generationen- und Geschlechterkonflikten. So sucht die weibliche Hauptfigur in Die Schauspielerin und ich (2003) in einer Doppelbiografie, bei der der berauschende Sog einer aufstrebenden Karriere dem Schmerz privater Verlusterfahrungen entgegengestellt wird, nach ihrer eigentlichen Bestimmung, und auch die Protagonistin aus Drei Worte hin und her (2014) sehnt sich inmitten der Zerrissenheit einer Dreiecksbeziehung nach einem tieferen emotionalen Halt. Im Wechselspiel zwischen Einsamkeit, Verlust und Trauer und der Kraft einer komplexen Gefühlswelt ruhen die Figuren letztlich in sich selbst, so auch in den Erzählungen der Sammlung Ins Licht sehen, die 2016 neue und bereits vorher publizierte Texte vereint. Hier findet sich u.a. der Text Ein Wiedersehen, aus dem der Roman Die Träne aus der Wand entstand.

Margret Steckel veröffentlicht in Galerie, Lëtzebuerger Almanach, Carrière, Les Cahiers luxembourgeois, Revue, d'Lëtzebuerger Land, WOXX und Westermanns Monatshefte. Sie steuerte Beiträge für das RTL-Magazin Frequenzen bei und schreibt Literaturkritiken in Journal und Livres-Bücher.

1982 erhielt sie den Literaturpreis für Kurzprosa der Hamburger Autorenvereinigung, 1990 den ersten Preis im OKR(Ostdeutscher Kulturrat)-Erzählwettbewerb Offene Grenzen, 1992 wurde die Kurzgeschichte Wenn Tante Anna kommt beim Concours littéraire national ausgezeichnet, 1997 erhielt Margret Steckel den Prix Servais für Der Letzte vom Bayrischen Platz. Sie war Mitglied des LSV bis zu dessen Auflösung im Jahre 2016 und ist Mitglied des P.E.N. Zentrum Deutschland.

Dieser Artikel wurde verfasst von Claude D. Conter Claude D. Conter und Nathalie Jacoby Nathalie Jacoby

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
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  • Titel der Zeitschriften
    Carrière. Eischte Lëtzebuerger Fraëmagazin
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  • Titel der Zeitschriften
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
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  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter
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  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Journal / Letzeburger Journal / Journal / LJ. Politik, Finanzen a Gesellschaft
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  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
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  • Titel der Zeitschriften
    Livres - Bücher. Un supplément du Tageblatt
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  • Titel der Zeitschriften
    Revue / Lëtzebuerger illustréiert Revue
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  • Titel der Zeitschriften
    Westermanns Illustrierte deutsche Monatshefte. ein Familienbuch für das gesamte geistige Leben der Gegenwart
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  • Titel der Zeitschriften
    woxx / Grénge Spoun. déi aner Wochenzeitung = l’autre hebdomadaire
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Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • A:LL Schrëftsteller*innen
  • LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1986-2016]
  • PEN International. Zentrum Deutschland

Archiv

Zitiernachweis:
Conter, Claude D./Jacoby, Nathalie: Margret Steckel. Unter: , aktualisiert am 13.03.2020, zuletzt eingesehen am .