Karl Becker

Charles Becker

Pseud.: Ch.B.

Trier () - Luxemburg


Der Deutsche Karl Becker war der Sohn Albert Beckers, seit 1834 Bürochef bei der Kommandantur der Bundesfestung Luxemburg. 1846 verschwand der Vater, so dass die Mutter in materielle Not geriet. Karl Becker besuchte das Athenäum und war Mitglied der Bürgergarde. Während fünf Jahren fungierte er als Sekretär der königlichen Privat-Domänen und wurde dann Buchhalter bei einer Geschäftsfirma. Hauptsächlich war er jedoch Redakteur von satirischen Wochenzeitschriften, worin er Luxemburger Regierungsmitglieder und andere politische, wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Verantwortliche angriff und lächerlich machte. Deshalb wurde er verschiedene Male wegen Pressedelikte strafrechtlich verurteilt und das jeweilige Blatt kurzfristig verboten. Nachdem er eine Luxemburgerin geheiratet hatte, stellte er 1880 einen Antrag auf Erlangen der Luxemburger Staatsbürgerschaft. Diese wurde ihm jedoch verweigert, möglicherweise aus politischen Gründen.

Karl Becker leistete als deutschsprachiger Chefredakteur seiner satirischen Blätter einen wichtigen Beitrag zum Luxemburger Literaturbetrieb. Zwischen 1868 und 1884 veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit wechselnden Druckern aus der Hauptstadt (z. B. Jean Joris), später aus Metz, verschiedene politisch brisante Zeitschriften mit Karikaturen. Sie erschienen zensurbedingt unter wechselnden Titeln: D'Wäschfra, Thill Eulenspiegel, Eulenspiegel's Wort für Wahrheit und Recht, Der neutrale Pulcinell oder D'Ureg Zongen, wobei der Untertitel humoristisch-satyrisches Wochenblatt den Ton angibt. Als Antiklerikaler mit protestantischer Erziehung verdächtigt Karl Becker grundsätzlich die katholische Kirche, besonders die Jesuiten, die er wie die Juden mit seinem Hass verfolgt, sich an dem Aberglauben des Volkes zu bereichern. Er stellt die Bauern systematisch schlecht dar und verteidigt die Interessen der Beamten der mittleren Laufbahn, etwa der Schullehrer. Auffallend sind die betonte Deutschlandfreundlichkeit und die nicht weniger ausgeprägte Abneigung gegenüber dem Frankreich Napoleons III. Herrschende Gesellschaftsstrukturen werden jedoch kaum in Frage gestellt. Michel Rodange hat in der Wäschfra deutsche Spottgedichte (Die lustige Pariser Fahrt der 3 Ritter von der traurigen Gestalt, 22.06.1868) veröffentlicht und sich für viele Passagen seines Renert (1872) bei Karl Beckers Wochenzeitschrift inspiriert. Öfters trägt Karl Becker in seinem Blatt literarische und gesellschaftliche Fehden gegen Nikolaus Steffen und die von diesem gegründete und geleitete Zeitschrift Das Vaterland (1869) aus. Auch Caspar Mathias Spoo hat möglicherweise Beiträge für die Wäschfra geschrieben. Wegen der Anonymität der Texte in Karl Beckers Zeitschrift ist es schwierig andere, weniger bekannte Mitarbeiter zu identifizieren.

Frank Wilhelm

Mitarbeit bei Zeitungen

Titel der Zeitung Benutzte Namen
Union (L')
Ch.B.
Wäschfra (D'). Humoristisch-satyrisches Wochenblatt
Karl Becker

Sekundärliteratur in Auswahl (Autor & Gesamtwerk)

Autor Jahr Info
Martin Blum
Carlo Hury
1902-1932; reprint 1981 Bibliographie luxembourgeoise : ou. Catalogue raisonné de tous les ouvrages ou travaux littéraires publiés par des Luxembourgeois ou dans le Grand-Duché actuel de Luxembourg. Partie 1. Les auteurs connus. par Martin Blum. Nouv. éd., complétée, avec introd. et index analytique par Carlo Hury
1903 La littérature du Grand-Duché de Luxembourg
1929 Mundartliche und hochdeutsche Dichtung in Luxemburg. Ein Beitrag zur Geistes- und Kulturgeschichte des Großherzogtums
1936 Abreißkalender [zu: Karl Becker]. In: Luxemburger Zeitung 01.05.1936
1964-1966 Drucker, Gazettisten und Zensoren durch vier Jahrhunderte luxemburgischer Geschichte. Bd.I-V
Marc Thiel
1993 "D'Wäschfra". Histoire d'un journal satirique
Zuletzt geändert 19.09.2019