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Foto: Jemp Schuster


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© asbl Op Schéimerech Kehlen

Jemp Schuster

Ettelbrück

Pseudonyme: JS

Jemp Schuster machte nach dem Abitur 1970 am Lycée classique de Diekirch eine Ausbildung zum Sportlehrer am Institut national des sports. Anschließend arbeitete er von 1972 bis 1985 als Sportlehrer in der Gemeinde Petingen. Seit 1985 ist Jemp Schuster freiberuflicher Schriftsteller, Theaterschauspieler, Regisseur und Leiter von Theaterworkshops. Er schreibt Kindertheater, historische und sozialkritische Theaterstücke und Kabarett auf Luxemburgisch. Von 2001 bis 2008 war er Präsident des Luxemburger Verbandes der professionellen Theater und Nachfolger von Philippe Noesen. Als Lokalhistoriker veröffentlichte er 2016 mit Groussbus zwei detailreiche Bände in luxemburgischer Sprache über die Entwicklung der Gemeinde Grosbous.

Jemp Schuster begann seine Schriftstellerlaufbahn Ende der 70er Jahre mit Kinderliteratur. 1983 gründete er das Ensemble Jaddermunnes, mit dem er zahlreiche eigene Stücke u. a. Robin Hutt (2006) inszenierte. Er koordinierte für den Jahrtausendwechsel das Kindertheaterprojekt Mir maachen d'Bréck. Léiwendraachemailchen ist eine Sammlung von Kurzgeschichten. Eine weitere Erzählung Dem Jupp säin Af wurde in die Anthologie der Actioun Lëtzebuergesch Vu Wëllef, Afen, Quetschen a Kanner (1985) aufgenommen. Ein kurzer luxemburgischer Text erschien 2015 unter dem Titel Der Marmorkuchen in der Anthologie Parabeln des Atert-Lycée in Redingen.

1985 gründete Jemp Schuster die Theatergesellschaft Spektakel, die Kindertheaterstücke und Kabarettprogramme sowie Musicals aufführte. Ab 1993 inszenierte er eigene Stücke auf den Freilichtbühnen im ganzen Land. In Grosbous spielte die Theatertruppe Schankemännchen die Produktionen De Schankemännchen (1993), De Schënner Steis (1995), Um Kale Räis (1997), Dat geckegt Joër (1999), Hanni lo hänks de! (2001), Crash (2003), Till Eilespigel (2005), Meng Mamm ass de Sheriff (2007), De Klunibald huet zougespaart (2009) sowie An de Labränten (2011). In Kehlen wurden Op Schéimerech aufgeführt Hädesteen op Schéimerech (2000), Kaffi de la Gare (2002), D'Lompe sténken (2004), De Porrette King (2006), Camping Sonnestach (2008), De Superjhemp géint de Pnömonni (2010) und BÄISSsss MECH… (2012). Weitere Stücke wurden für die Freilichtbühne auf Schloss Bourscheid geschrieben, etwa Dem Els seng Dreem (2002), Zëmmesch Klaus (2004), De falsche Méchel (2006) oder Stréisak oder Himmelbett (2008). Die Grevenmacher Musiktheatergruppe Rhäifränsch führte unter der Regie von Jemp Schuster bislang vier Stücke von Schuster, mit Musik von Georges Urwald, auf: De beschte Klupp am Land (2004), Eläuter fäi Jongen (2007), Schéck en op d’Schëff! (2010) und Mir sinn Tell (2013). Obwohl viele seiner Stücke vor einem historischen Hintergrund spielen, behandeln sie stets auch aktuelle soziale und zwischenmenschliche Probleme. So beschreibt Schuster z.B. in dem Theaterstück D'Meedche vu Maarnech, in Anlehnung an Max Goergens D'Meedche vu Gëtzen, die ungewollte Schwangerschaft eines jungen Mädchens im Luxemburg des 21. Jahrhunderts. Das Stück wurde im Juli 2013, im Anschluss an Goergens Drama, im Kulturhaus Cube 521 in Marnach uraufgeführt. Jemp Schuster schrieb für Marc Olinger unter dem Titel Ofgeschminkt den Monolog eines alten Schauspielers, der vor seinem letzten Auftritt sein Leben Revue passieren lässt und dabei einen kritischen Blick auf das nationale Theaterleben wirft. Das Stück wurde 2014 im Mierscher Kulturhaus uraufgeführt. Jemp Schuster lehnt sich in seinen Stücken des Öfteren an bekannte Bühnenstücke an, so etwa 2015 mit Oper fir Fënnef Sou, einer Adaptation von Brechts Dreigroschenoper. Raten dagegen inspiriert sich, im Sommer 2019, an Gerhart Hauptmanns Die Ratten. Das Stück versteht sich als einen Beitrag zur aktuellen europäischen Immigrationspolitik, indem es Immigranten, Kriegsflüchtlinge and soziale Randgruppen in den Mittelpunkt stellt und ihre wirtschaftlich und politisch prekäre Situation beleuchtet. 2019 war die Uraufführung des Bühnenstücks Autopsy im CAPE in Ettelbrück. Der szenische Monolog von Jemp Schuster, mit Kompositionen von Georges Urwald und vorgetragen von Michèle Turpel, lässt das Leben einer Frau Revue passieren, die als Kind und Jugendliche psychische und physische Gewalt erfährt und später zur mehrfachen Mörderin wird. Anhand der psychisch gestörten Figur zeigt das Stück, wie Opfermentalität und Fokussierung auf gesellschaftliche Zwänge eine eigenverantwortliche Persönlichkeitsentwicklung verhindern. Die Buchausgabe des Stückes enthält zudem den szenischen Dialog Recto Verso, in dem eine Frau und ein Mann über ihre Vorstellungen von Liebe und Partnerschaft diskutieren.

Jemp Schuster gründete mehrere Kabarettensembles, für die er Jahresrückblicke schrieb: 1981 das Ensemble Schuko, in den 80er und 90er Jahren J(h)emp2 gemeinsam mit Jhemp Hoscheit und 1988 mit Mady Durrer das Kabarä Mady Durrer & Jemp Schuster, das seit 1999 unter dem Namen Kabarä Jemp Schuster fungiert. Die satirischen und sozialkritischen Texte behandeln Lokal- und Weltpolitik und entlarven luxemburgisches Spießbürgertum. Satirische und zeitkritische Texte von Jemp Schuster erschienen im Lëtzebuerger Almanach '86 , in den Anthologien Lustich (1987), In Sachen Papst (1985), Schönes Luxemburg - Grünes Luxemburg - Rosa Luxemburg und in der Zeitschrift Galerie. Jemp Schuster zeichnete verantwortlich für die Texte der Cartoonsammlung Plein-air von Fernand Weirich. 1988 gründete er den Verlag Haartnol, in dem er seine Kabarettbücher sowie eine CD mit Liedern aus den Kindertheaterstücken De Pavarolli séngt nët méi und Mona Lisa veröffentlichte. 2015 erschien seine szenische Kurzgeschichte 13, Waassergaass als selbständige Publikation. Auch hier erleben Schusters Figuren, wie ihre Kommunikationsversuche im Alltag versagen und sie letzlich in ihrer eigenen Gedankenwelt gefangen bleiben.

2020 erschien Jemp Schusters erster Roman mit dem Titel Bluttsëffer. All Fra dréit hire Päckelchen. Der als zweiteilige Familiensaga angelegte historische Roman folgt dem Schicksal von fünf Generationen von 1905 bis 2005, wobei der erste Teil bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs geht. Er zeigt anhand einzelner Szenen den von großen politischen Ereignissen, vor allem den beiden Weltkriegen, beeinflussten Alltag in einem kleinen Dorf im Norden Luxemburgs, wobei der Hauptfokus, wie der Untertitel andeutet, auf dem Schicksal der Frauen liegt. Inspiriert von einer wahren Familiengeschichte entwirft das Buch anhand seiner Figuren ein Panorama der Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Öslings im 20. Jahrhundert.

Für die Erzählung Ditta, die in Eis Sprooch (Verein AL) erschien, erhielt Jemp Schuster 1986 den ersten Preis beim Literaturwettbewerb der Actioun Lëtzebuergesch, 1989 für das Stück Mira den ersten Preis beim Kindertheaterwettbewerb der Stadt Luxemburg. 1990 wurden Jemp Schuster und Mady Durrer als beste Kabarettisten ausgezeichnet. Er erhielt im gleichen Jahr ex aequo mit Roland Harsch den Gëllene Schniewel des Saarländischen Mundartwettbewerbs. Jemp Schuster war Mitglied des LSV bis zu dessen Auflösung im Jahre 2016 und ist Mitglied des Institut grand-ducal, Section des arts et des lettres.

Dieser Artikel wurde verfasst von Sandra Schmit

Veröffentlichungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Jemp Schuster
  • Titel der Zeitschriften
    Drauffelter Zeitung
    Verwendete Namen
    Jemp Schuster
  • Titel der Zeitschriften
    Galerie. Revue culturelle et pédagogique
    Verwendete Namen
    Jemp Schuster
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter
    Verwendete Namen
    Jemp Schuster
  • Titel der Zeitschriften
    Reenbou. revue plurilingue de poésie = pluringual poetry magazine
    Verwendete Namen
    Jemp Schuster

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Institut grand-ducal Section des arts et des lettres
  • LSV - Lëtzebuerger Schrëftstellerverband [1986-2016]

Archiv

Zitiernachweis:
Schmit, Sandra: Jemp Schuster. Unter: , aktualisiert am 03.06.2021, zuletzt eingesehen am .