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Foto: Joseph Tockert


Foto:
© Collection CNL

Joseph Tockert

Dommeldingen (damals Gemeinde Eich) Monte-Carlo ()

Pseudonyme: J.T. ; Joe Squibbles ; Squibbliana

Joseph Tockert studierte nach dem Abitur 1894 am Athenäum Deutsch und Griechisch in Paris und Berlin, anschließend belegte er Pädagogikkurse an der Universität Bonn. Er unterrichtete am Athenäum, ab 1901 am Gymnasium in Echternach. 1905 schickte die Luxemburger Regierung ihn zusammen mit René Engelmann zum Studium der englischen Sprache und Literatur nach London. Im Gegensatz zu René Engelmann verbrachte er mehrere Jahre in England und arbeitete dort unter anderem für eine große Versicherungsgesellschaft. Nachdem er 1908 nach Luxemburg zurückgekehrt war unterrichtete er Englisch am Athenäum und an den Cours supérieurs sowie von 1912 bis 1938 auch am Lycée de jeunes filles in Luxemburg.

Joseph Tockert war ein Pionier auf kulturellem und erzieherischem Gebiet. Er gilt als Begründer der Sektion moderner Sprachen in den Gymnasien und als Mitbegründer des ersten privaten Mädchenlyzeums im Jahre 1909, aus dem 1911 das staatliche Lyzeum in Luxemburg hervorging. 1913/14 rief Joseph Tockert im Athenäum die erste Pfadfindertruppe ins Leben, die in der späteren Fédération nationale des éclaireurs luxembourgeois (FNEL) aufging. Auch ein erster Versuch einer Universitätsgründung in Luxemburg um die Zeit des Ersten Weltkriegs geht auf Joseph Tockert zurück.

Gleichbedeutend mit Joseph Tockerts erzieherischer Tätigkeit war seine gesellschaftliche. Er war Mitbegründer der Volksbildungsvereine, Gesamtleiter der Volksbildungsbibliotheken, Mitglied der Freimaurerloge, Mitbegründer des Freidenkerbundes Libre pensée und Gründer und Animator der Société des amis des musées. Als aktiver Politiker im Gemeinderat der Stadt Luxemburg im Jahr 1915 für die liberale Partei und als Mitglied der Schulkommission war Joseph Tockert für die Einführung der Schulmedizin verantwortlich. Auch setzte er sich für den Ausbau des Zivilhospizes und die Schaffung eines Krematoriums ein.

Auf schriftstellerischem Gebiet bekannt wurde Joseph Tockert als Mitarbeiter von Neue Zeit, Luxemburger Zeitung, Escher Tageblatt, Floréal, Les Cahiers luxembourgeois oder Journal des professeurs. Vor allem aber seine Goldbücher weisen ihn als Essayisten, Humoristen und Satiriker aus. Ziel dieser parodistisch-ironischen Texte zur Luxemburger Gesellschaft der Jahre 1880 bis 1915 war es, freie kulturelle und demokratische Einrichtungen zu ermöglichen. Das gleiche Ziel einer geistigen Weiterentwicklung verfolgte Joseph Tockert als Polemiker in seinen Beiträgen zur liberalen Neuen Zeit. Auch mit seinen kulturhistorischen Erzählungen aus Luxemburgs Vergangenheit, die er in den 30er und 40er Jahren veröffentlichte, darunter z. B. der unter der deutschen Besatzung konfiszierte Band Heimat, vergegenwärtigte er mit Hilfe kleiner Tableaus typische Episoden aus der Luxemburger Geschichte, in denen Untugenden wie Egoismus, Engherzigkeit und Intoleranz kritisch beleuchtet werden. Im Band Am Völkerweg erforschte er das Heimatgefühl und die Zivilisationsgeschichte. 1947 rief er anlässlich der Exzesse im Rahmen der Epurationsprozesse die Ligue pour la défense de la Constitution ins Leben. Der geplante Band mit Erzählungen Am Saum der Zeit blieb unveröffentlicht. Joseph Tockert soll das Stück Den Handstra'ich von André Duchscher ins Deutsche übersetzt haben; überliefert ist die Übersetzung nicht.

Joseph Tockerts größter Verdienst liegt in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit der luxemburgischen Sprache. 1924 war er Gründer und erster Präsident der Société luxembourgeoise d'études linguistiques et dialectiques, die 1935 zum Institut grand-ducal, Section de linguistique, de folklore et de toponymie wurde und in deren Jahrbüchern und Vierteljahresheften er zahlreiche wissenschaftliche Beiträge veröffentlichte. Zur Zentenarfeier von Michel Rodange gab Joseph Tockert 1927 einen Sammelband mit Werken des Autors und einer Biografie, Kommentaren und Glossaren heraus, wofür ihm 1928 der Luxemburger Prix de littérature verliehen wurde. Von besonderem sprachhistorischem Interesse sind Joseph Tockerts Beiträge zwischen 1938 und 1949 über das Jenische in Weimerskirch, die 2012 neu aufgelegt wurden. Seine Untersuchungen Die vorgebliche enge Verwandtschaft des Luxemburgischen mit dem Angelsächsischen, Die luxemburgische Sprachgrenze und Zur luxemburgischen Studenten-, Pennäler- und Schulsprache sind weitere Beispiele für Joseph Tockerts Versuche, die luxemburgische Sprache vor dem Verfall zu retten. 1949 wurde Joseph Tockert zum Präsidenten der Kommission zur Erarbeitung eines fünfbändigen Wörterbuchs ernannt, das nach seinem Tod ab 1950 erschien und zu dem er etymologische und kulturhistorische Hinweise geliefert hatte. Wenn ich tot bin, Liebste wurde von Helen Buchholtz vertont.

Dieser Artikel wurde verfasst von Gast Mannes und Claude Kremer

Veröffentlichungen

Sonstige Mitarbeit

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Annuaire de la Société des Amis des Musées
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
    J.T.
  • Titel der Zeitschriften
    Bauerekalenner / Letzeburger Bauere-Kalenner
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Joe Squibbles
    Squibbliana
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Floréal. revue libre d’art [et] de littérature = freie Rundschau für Kunst und Litteratur
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Hémecht (d') - La Patrie. Erausgi vun der Unio'n vun de Letzeburger Freihêtsorganisatio'nen
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Journal de l'Association des professeurs de l'enseignement supérieur et moyen
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Journal des professeurs
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Luxemburger Volksbildungskalender
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Luxemburger Zeitung III [1868-1941] / LZ
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Natio'n (D'). Nationalistesch Revue / Rewü
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Neue Luxemburger Kalender (Der). Eine Publikation von Tony Jungblut
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    neue Zeit (Die) = Les Temps nouveaux [1911-1914]. Organ für fortschrittliche Politik und Volksbildung
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    neue Zeit (Die) [1936-1940]. Monatsschrift für Demokratie, Geistesfreiheit und Kultur
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Tageblatt / Escher Tageblatt = Journal d'Esch. Zeitung fir Lëtzebuerg
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Touring Club luxembourgeois. alliance pour propager le tourisme dans le Grand-Duché
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Vierteljahresblätter für Luxemburgische Sprachforschung, Volkskunde und Ortsnamenkunde
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert
  • Titel der Zeitschriften
    Vierteljahresblätter für Sprachwissenschaft, Volks- und Ortsnamenkunde
    Verwendete Namen
    Joseph Tockert

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • APESS - Association des professeurs [avant 1940: de l’enseignement supérieur et moyen, après guerre: de l'enseignement supérieur et secondaire]
  • FNEL = F.N.E.L. Fédération nationale des éclaireurs (et éclaireuses) luxembourgeois
  • Freidenkerbund = Libre Pensée luxembourgeoise
  • Institut grand-ducal Section de linguistique, de folklore et de toponymie (1935-97)
  • Luxemburgische Sprachgesellschaft (1924-35)
  • Société des Amis des Musées
  • Volksbildungsverein = Allgemeiner Volksbildungsverein für das Großherzogtum Luxemburg = Association d'éducation populaire

Archiv

Zitiernachweis:
Mannes, Gast/Kremer, Claude: Joseph Tockert. Unter: , aktualisiert am 18.04.2019, zuletzt eingesehen am .