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Claude Frisoni

Knutange ()

Claude Frisoni ist der Sohn italienischer Eltern, die in Lothringen lebten, wo der Vater als Bäcker in einer Eisenhütte arbeitete. Nach dem Gymnasium in Longwy studierte er von 1973 bis 1977 Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Nancy. Von 1977 bis 1992 war er verantwortlich für die Bibliothek des Centre culturel français in Luxemburg, dann Kulturattaché an der französischen Botschaft. Von 1993 bis 1994 leitete er die Werbefirma RéCRé. Im März 1994 trat er die Nachfolge von Guy Wagner als Generalkoordinator von "Luxemburg, europäische Kulturhauptstadt 1995" an. Ab April 1996 leitete er die Agence luxembourgeoise d'action culturelle und von 2002 bis 2013 das Centre culturel de rencontre Abbaye de Neumünster, genannt Neimënster. Zu dieser Zeit war Claude Frisoni auch Vorsitzender der Amis de la Maison de Victor Hugo in Vianden und Vorstandsmitglied der Fondation Servais pour la littérature luxembourgeoise. Seit seinem Eintritt in den Ruhestand 2013 lebt er im Périgord.

Claude Frisoni ist als Autor, Regisseur und Schauspieler tätig beim Théâtre du Centaure, beim Théâtre des Capucins sowie beim Théâtre ouvert Luxembourg (TOL), wo er von 1990 bis 2001 künstlerischer Leiter und Präsident war. Er führte Regie bei Stücken von Ionesco, Dubillard, Allen, Balasko, Prévand und Guitry, stand als Schauspieler auf der Bühne, spielte in Kinofilmen mit und sprach die Kommentare zum Film Les Luxembourgeois dans le Tour de France (2002). Mit seinem Theaterstück Putain, 35 ans !, das 2013 im TOL aufgeführt wurde, gibt er einen Rückblick über seine Zeit in Luxemburg.

Claude Frisoni ist Mitarbeiter von Passerelles, Les Cahiers luxembourgeois, Lëtzebuerger Almanach, Voilà Luxembourg, d'Lëtzebuerger Land (Rubrik Je dis ça, je dis rien mais) und Le Jeudi (Rubrik Ça va mieux en le disant). Er lieferte Beiträge und Vorworte, u. a. zu Musée d'histoire de la Ville de Luxembourg (1994), Portraits von Wolfgang Osterheld (1995) und Lucien Wercollier au cloître de l'Abbaye Neumünster (2005), schrieb in Luxembourg, un incertain regard die Texte zu den Fotos von Joseph Tomassini. Er übersetzte, zusammen mit Pierre Goffin, das portugiesische Kinderbuch Rua do Abecedário ins Französische.

Claude Frisoni führte als einer der Ersten ab 1985 in Luxemburg das Genre des Café-théâtre ein. Als Autor und Schauspieler, mal allein auf der Bühne, mal mit befreundeten Schauspielern des TOL, bestritt er die Programme Le meilleur des rouquins a jeté son père dans le puits (1988), Les Gens vils ... selon ma tante (1989), Enfermés dehors (1990), Régime sans Ciel (1992), Surtout tout (1993), La Défaite des paires (1994), La fin du monde est pour demain ... si le temps le permet (1996), Je dis ça, je dis rien mais (1997) Les derniers seront les premiers (1998), Nécros spirituelles (2004) und Recréation (2006). Seine Stücke, die einer gewissen Libertinage verpflichtet sind, wurden in vier Sammelbänden Frisoni soit qui mal y pense, Pièces montées, C'était mieux quand c'était pire und Nécros spirituelles herausgegeben. Die Sketsche in der Tradition von Pierre Dac und Pierre Desproges sind geprägt von zahlreichen Wortspielen und Lautmalereien.

Frisonis Texte werfen einen kritischen, oft bissigen Blick auf die zeitgenössische luxemburgische Gesellschaft und ihre Nationalsprache. So widmet er sich auch in seinem conte philosophique, Lettre d'amour au peuple qui ne connaissait pas le verbe aimer (2015), dem Thema der nationalen Identität. Auf der fiktiven Pazifikinsel Vatounu, die sehr an Luxemburg erinnert, führt ein simples Referendum zum Ausländerwahlrecht letzten Endes zu Bürgerkrieg und völliger Zerstörung. Der Text versteht sich als Beitrag zur Debatte im Vorfeld des luxemburgischen Referendums vom Juni 2015.

Auch das Coffee Table Book Gens de Luxembourg (2017), ein Bildband von Raymond Reuter mit französischen Texten von Claude Frisoni in zusätzlicher luxemburgischer und englischer Übersetzung versteht sich als eine soziologische Studie des Landes, wobei traditionelle Aspekte wie die Schobermesse und die Stahlindustrie betont werden und ihnen ein "altmodischer Charme" zugeschrieben wird. Der Blick der Autoren auf die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung Luxemburgs richtet sich auf die 1990er Jahren und vermittelt eine kleinbürgerliche Sicht auf das Land.

Claude Frisonis erstes Stück Le meilleur des rouquins a jeté son père dans le puits wurde 1988 beim Festival de café-théâtre francophone in Evry mit dem zweiten Preis (Becker d'argent) und dem Prix de la meilleure création ausgezeichnet.

Dieser Artikel wurde verfasst von Frank Wilhelm und Claude Bommertz

Veröffentlichungen

Sonstige Mitarbeit

Übersetzungen

Mitarbeit bei Zeitungen

  • Titel der Zeitschriften
    Cahiers luxembourgeois (Les). revue libre des lettres, des sciences et des arts
    Verwendete Namen
    Claude Frisoni
  • Titel der Zeitschriften
    Flydoscope. magazine de Luxair
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    Claude Frisoni
  • Titel der Zeitschriften
    forum. fir kritesch Informatioun iwer Politik, Kultur a Relioun
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    Claude Frisoni
  • Titel der Zeitschriften
    Jeudi (Le). l'hebdomadaire luxembourgeois en français
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    Claude Frisoni
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Almanach. Red.: Georges Hausemer ; Gestalt.: Heng Ketter
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    Claude Frisoni
  • Titel der Zeitschriften
    Lëtzebuerger Land (d') / d'Letzeburger Land / LL. unabhängige Wochenschrift für Politik, Wirtschaft und Kultur
    Verwendete Namen
    Claude Frisoni
  • Titel der Zeitschriften
    Passerelles. Revue d'Etudes Interculturelles
    Verwendete Namen
    Claude Frisoni

Sekundärliteratur

Auszeichnungen

Mitgliedschaft

  • Amis de la Maison de Victor Hugo
  • Centre culturel français
  • Fondation Servais
  • Théâtre des Capucins
  • Théâtre du Centaure
  • T.O.L. - Théâtre Ouvert Luxembourg

Archiv

Zitiernachweis:
Wilhelm, Frank/Bommertz, Claude: Claude Frisoni. Unter: , aktualisiert am 07.05.2021, zuletzt eingesehen am .